Pelargonien Katalog

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Als ich beschloss, einen Pelargonien-Katalog zu erstellen, ahnte ich nicht, was auf mich zukommen würde. Am Anfang stand natürlich ein ordnender Gedanke: Mit so einem Katalog wäre alles schön sortiert und die vielen Sorten mit ihrem richtigen Namen und ihren Eigenschaften benannt. Das ist ja wohl das Mindeste, was man von einem Katalog erwarten kann! Und das kann ja so schwer nicht sein, ein Vorhaben für die ruhigen Stunden in der kalten Jahreszeit, wenn meine Lieblinge in der Winterruhe sind und ich auch sonst nicht so viel zu tun habe.

Aber wie das so ist, wenn man sich mit etwas intensiv auseinandersetzt: Die Arbeit wird mehr und mehr, unvorhergesehene Schwierigkeiten tauchen auf, und halbe Sachen will man ja auch nicht machen.

Das Problem in meinem Fall war schnell klar: die richtige Namensgebung und die korrekte Schreibung der Namen. Sehr schnell stellte ich fest, dass sich im Laufe der Zeit falsch geschriebene Namen auf meinen Etiketten angesammelt hatten, zum Beispiel „Mrs. Wren“ statt „Mr. Wren“ – so einen Buchstaben vergisst man schnell, oder er schummelt sich dazu. Doch was heißt schon „falsch“? Auch in Fachbüchern, sogar in ein und demselben Buch, fand ich beide Schreibweisen vor. So ging es mir auch mit Pelargonium graveolens „Attar of Roses“, eine Sorte (oder ist es eine Auslese?), die eigentlich Pelargonium capitatum „Attar of Roses“ heißen muss. Und ich lernte, dass „Graveolens“ gar keine Art ist, wie ich immer angenommen hatte, sondern eine Sorte. Das mögen botanische Spitzfindigkeiten sein, sicher aber ist, dass meine „Graveolens“ deutlich intensiver duften als meine capitatum.

Und sicher ist auch: Pelargonien sind schon so lange Zeit in Europa in Kultur, dass sich eine Vielzahl von Liebhabern und Sammlern mit der Züchtung beschäftigt hat und in der Folge fast identische Sorten unterschiedlich benannt wurden. Und das betrifft nicht nur Sorten, sondern ebenso Arten. In einem 1977 erschienenen Buch steht eine Pelargonium fragile mit der Fußnote, dass es auch die Bezeichnung Pelargonium trifidum gäbe, was aber definitiv falsch sei, da diese Namensgebung später aufgetaucht wäre. Nach Recherchen im Internet und unter Pelargonien-Liebhabern war aber dann doch klar, dass es Pelargonium trifidum heißt.

Diverse Pelargonien habe ich auch schon unter falschem Namen bekommen. So führte ich über Jahre eine Pelargonium divisifolium x artemisifolium in meinem Sortiment. Doch dann machte mich eine passionierte Pelargonien-Liebhaberin darauf aufmerksam, dass das nicht stimmen könne, sie hätte den Namen noch nie gehört. Mit meinem jungen Kollegen, der mit dem Internet besser vertraut ist als ich, und mit Hilfe von Illustrationen in alten Büchern kamen wir überein, dass es sich um Pelargonium crithmifolium handeln musste.

Viele Geschichten und Anekdoten gäbe es noch zu erzählen, und ein Ende ist nicht abzusehen, denn die neuen Möglichkeiten der DNA-Analyse könnten weitere Ungereimtheiten aufzeigen. Womöglich werden ganz neue Erkenntnisse auf uns zukommen.

Nun, ich bin Gärtnerin und keine Botanikerin. Ich habe – so ganz „nebenbei“ … – einen Betrieb zu leiten. Die Erstellung dieses Pelargonien-Kataloges hat inzwischen nicht einen, sondern drei Winter in Anspruch genommen, und ich bin mir keineswegs sicher, ob nun alles botanisch korrekt ist. Aber erstens soll man mal „einen Punkt machen“, wie mir geraten wurde, und zweitens: Die Botaniker, die auf Fehler stoßen würden, werden so eine „unwissenschaftliche“ Fleißarbeit wie die vorliegende kaum in die Hand bekommen, und wenn ja, wohl nicht wirklich lesen, geschweige denn kommentieren. Was nicht heißen soll, dass ich mich nicht über konstruktive Kritik und Anmerkungen (und Lob!) freuen würde – von jedermann!

Herzlichst, Ihre Anni Angermaier

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